Agnes Ficker.

Auf diesem Bauernhof in Osterwick, Dorfbauerschaft, wurde meine Großmutter Agnes Ficker geboren. Schon in jungen Jahren lernte sie, hart zu arbeiten. Später ging sie als Magd auf einen Bauernhof in Coesfeld-Harle.

An meine Großmutter erinnere ich mich gern und mit Wehmut zurück. Wann immer ich konnte, besuchte ich sie sonntags an der Dülmener Straße zum Kaffee. Herrlich Ihr  frisch gebackener Apfelkuchen oder der tolle Erdbeerboden,  der Kaffe war meist so stark, daß der Kreislauf erst spät abends wieder zur Ruhe kam.

An den lebhaften Unterhaltungen an der Kaffeetafel nahm sie nur wenig teil. Sie hörte aufmerksam zu, und freute sich wenn das Wohnzimmer so richtig voll war. Über sich selbst hörte ich sie nie erzählen. Sie war eine ruhige, ja manchmal möchte man meinen scheue Frau. 

So wird sie auch in ihrer Jugend geschildert. Als fleißige Schülerin. Wie überhaupt der Fleiß wohl eine Ihrer auffälligsten Eigenschaften war. 

Sie führte den Haushalt und bestellte den Garten. Dazu gehörte auch ein Stück Land, das die Familie hinter der Bahnlinie von der Lambertikirche gepachtet hatte. 

Sie half für einen geringen Lohn in der Wirtschaft Heitkamp aus. Sie hatte im Wohnzimmer zwei Strickmaschinen mit denen Sie Socken für "Locks" herstellte und sie trug für die "Rundschau" die Zeitung aus. Für jede Zeitung erhielt sie 2 Pfennig. Nie hat man sie klagen gehört. Nur einmal meinte sie: "För twee penning mottke nor Varlar förn".

Ihren Mann Josef Schwering lernte sie bei einem Schützenfest auf Abels Tenne, Nachbarn von Schwerings in Harle, kennen.

Noch heute erzählt man sich, daß Sie überhaupt nicht damit einverstanden war, als Ihr Mann 1956 den Vogel abschoß und Schützenkönig wurde. Als man ihr die Nachricht von diesem freudigen Ereignis brachte, soll sie vor Zorn die Tür zugeschlagen haben.

Am 24. Nov. 1955 verunglückte Uroma zusammen mit Ihrem Ehemann auf der Fahrt von Osterwick noch Coesfeld. Sie hatte auf dem elterlichen Hof in der Landwirtschaft geholfen. Beide wurden von einem Auto überfahren. Oma hatte seitdem ein steifes Bein, das Ihr in den letzten Jahren Ihres Lebens abgenommen werden mußte. Auch dies nahm sie klaglos hin.

 


Agnes Ficker als Sechzehnjährige.

Agnes Ficker und Josef Schwering als Brautpaar. Erst nachdem sie ihr Haus in Coesfeld an der Dülmener Straße fertiggestellt hatten, heirateten sie.

Agnes Schwering, geb. Ficker im Gespräch mit Katharina Kersting (verwitwete Ficker) und Änne Waalers, geb. Schwering, eine Schwester Ihres Mannes Josef.

"Uroma"  fühlte sich in den letzten Jahren ihres Lebens im Kreise Ihrer Enkel und Urenkel am wohlsten. (hier mir Maxi Kunst)  Die ganze Familie war an den hohen Feiertagen bei ihr. Auch sonntags besuchten wir sie gern zum Kaffee.