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| TILLY,
Johann Tserclaes,
Graf von, Feldherr, * Februar 1559 auf Schloß Tilly (Brabant), + 30.4. 1632 in Ingolstadt Der auf den Jesuitenkollegien zu Châtelet und Köln erzogene T., der einem brabantischen Adelsgeschlecht entstammte, sammelte militärische Erfahrungen während des niederländischen Aufstands unter Alexander Farnese, dem Statthalter der Niederlande, im Kölnischen Krieg (1583-85) gegen Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg, in Frankreich gegen die Hugenotten sowie in dem seit 1593 währenden Krieg Habsburgs gegen die Türken. 1602 erfolgte seine Ernennung zum Obristen, 1605 zum Feldmarschall. 1608 zog T. sich ins Privatleben zurück, nachdem er im habsburgischen Bruderzwist (Kaiser Rudolf II. gegen Erzherzog Matthias) zu den Parteigängern des Kaisers gehört hatte. 1610 wurde er an die Spitze des Heeres der im gleichen Jahr gegründeten katholischen Liga berufen. Er reorganisierte vor allem den bayerischen Teil des ligistischen Heeres. Als Generalleutnant der Liga seit 1620 entschied er am 8.11. 1620 die Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegen die aufständischen Böhmen und deren König Friedrich V. von der Pfalz zu seinen Gunsten. Die folgenden Jahre brachten für ihn bedeutende militärische Erfolge: Nach einer unentschieden ausgegangenen Schlacht bei Wiesloch siegte er am 6.5. 1622 bei Wimpfen und am 20.6. 1622 bei Höchst. Für seine Erfolge verlieh ihm der Kaiser am 18.7. 1622 den Grafentitel. Nach weiteren militärischen Erfolgen in der Pfalz (Eroberung von Heidelberg und Mannheim) schlug er am 6.8. 1623 Christian von Halberstadt bei Stadtlohn. 1623/24 erzwang er die Rekatholisierung von Halberstadt, Hildesheim, Minden und Osnabrück. 1625 fiel T. in den Niedersächsischen Reichskreis ein, um dadurch dem erwarteten Angriff König Christians IV. von Dänemark zuvorzukommen. Am 27.8.1626 konnte er ihn bei Lutter am Barenberge schlagen. T. erreichte die völlige Niederwerfung Dänemarks und den Abschluß des Friedens von Lübeck (22.5. 1629). Das am 6.3. 1629 durch den Kaiser erlassene Restitutionsedikt wurde durch T. in Norddeutschland strikt vollzogen. - Nach der Absetzung Wallensteins 1630 wurde T. zum Generalissimus der kaiserlichen Truppen unter Beibehaltung des Kommandos über das Heer der Liga ernannt. Nach der Landung König Gustav Adolfs von Schweden am 6.7. 1630 in Pommern trat T. ihm sofort entgegen, konnte ihn jedoch nicht dazu veranlassen, sich ihm in einer Schlacht zu stellen. Am 10.5. 1631 gelang es T., Magdeburg zu erstürmen, das durch einen Brand völlig vernichtet wurde, vom Dom und dem Prämontratenserkloster »Unser Lieben Frauen« abgesehen. - Da T. auch nach der Erstürmung von Magdeburg nicht die Chance erhielt, Gustav Adolf zu stellen, wandte er sich gegen das mit den Schweden verbündete Sachsen. Am 16.9. 1631 konnte er Leipzig erobern, wurde jedoch nur einen Tag später, am 17.9. 1631, zu Breitenfeld bei Leipzig, von Wallenstein nur unzureichend unterstützt, durch Gustav Adolf vernichtend geschlagen, nachdem er zuvor in 32 Schlachten unbesiegt geblieben war. Damit lag der Weg für den Schwedenkönig nach Mittel- und Süddeutschland offen. T., der hinhaltenden Widerstand zu leisten versuchte, und dies mit einigem Erfolg, wurde im Gefecht von Rain am 15.4. 1632 schwer verwundet. Am 30.4. 1632 erlag er seiner Verletzung im von den Schweden belagerten Ingolstadt; beigesetzt wurde er in Altötting. Mit T. verschied einer der fähigsten und erfolgreichsten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, persönlich integer und geprägt von tiefer Religiosität. Lit.: Anton Ernstberger, Wallensteins Heeressabotage und die Breitenfelder Schlacht (1631), in: Historische Zeitschrift, 142 (1930), 41-72; - A. Poellinger, J.T. Graf von Tilly, Regensburg 1932; - G. Gilardone, Tilly. Der Heilige im Harnisch, München 1932; - F. Geldner, Tilly im Lichte der neuesten Forschungen, in: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte, 8 (1935), 423-48. [ zurück ]
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