| Der
Dreißigjährige Krieg
1618
bis 1648
Ursachen u. Folgen |
Der Dreißigjährige Krieg galt lange als die schlimmste
Katastrophe der deutschen Geschichte. Anfangs erschien er als
Religionskrieg, bei dem sich oberflächig gesehen zwei Kriegsparteien,
die protestantische und katholische Seite, gegenüberstanden, und in den
sich später Schweden und Frankreich auf protetantischer und Spanien und
Österreich auf katholischer Seite einmischten und ihn dadurch zum europäischen
Krieg auf deutschem Territorium machten.
Am Ende ging es nur um Macht und Einfluss mit allen Mitteln.
Dieser Krieg war gekennzeichnet durch verheerende Plünderungen, Zerstörungen
und Gewalttaten, durch den Verfall der Moral und Sitte in Deutschland,
durch Krankheit und Elend wegen der Pest.
Schätzungen sprechen von 40 % Verlusten unter der Land- und 33 %
unter der Stadtbevölkerung. Ganze Landstriche waren entvölkert. Auch
in Osterwick wütete die Pest.
Er schuf nur Probleme und löste keine. Ein Zeitzeuge brachte
dieses Elend auf die Formel: ''Die drei Geißeln der Menschheit: Hunger,
Pest und Krieg!''
Vorgeschichte:
Neue Verschärfung des Religionsstreites nach Augsburger
Religionsfrieden 1555;
1608/09: Bildung der protest. Union und kath. Liga --> besiegelten
Reichsverfall;
Anlaß: Prager Fenstersturz 23.05.1618;
zuerst Böhmischer Aufstand --> Kämpfe zwischen Haus Habsburg und Böhmischen
Ständen --> Krieg innerhalb des Reiches --> große europäische
Auseinandersetzung;
Böhmisch-Pfälzischer
Krieg 1618-23:
Krieg um Glauben, Gegenreformation;
Absetzung Kaiser Ferdinand's II. durch böhm. Stände (Verletzung des
Majestätsbriefs);
Wahl Kurfürst Friedrich's V. --> König von Böhmen, Führer der
Kalvinisten;
Ferdinand II.: gewaltsame Rekatholisierungspolitik --> Unterstützung
von Maximillian I. durch Ligaheer (30000 Mann);
Schlacht am Weißen Berg 08.11.1620: Feldheer Tilly schlägt Friedrich
V. (Böhmen) vernichtend vor Prag;
Tilly festigte kaiserlichen Sieg (Wimpfen 06.05.1622, Höchst
20.06.1622,) Am 06.08.1623 schlägt Tilly
in der Schlacht von Stadtlohn (Anmerk. in der Nähe Osterwicks) Christian
von Halberstadt.
Folgen für Böhmen gravierend: Hälfte des Adels enteignet, gewaltsame
Rekatholisierung --> Protest. verließen Böhmen;
Union's Auflösung in Böhmen;
pfälzische Kurwürde 1623 zurück an Herzog Maximillian I. von Bayern;
Niedersächsisch-Dänischer
Krieg 1625-29:
Krieg um Glauben und Macht;
Liga: verfolgt Truppen nach Norden, will Norden rekatholisieren;
Eingriff Dänemarks (Christian IV.) in den Krieg, fürchtet um
Reformation, will Besitz erweitern;
Albrecht von Wallenstein (böhm. Adliger und General des Kaiser’s):
24000 Mann-Heer an Friedrich II., Generalismus aller kaiserlichen
Truppen im Reich;
schlug Protest. Graf Ernst II. zu Mansfeld an Dessauer Elbbrücke
(25.04.1626);
Tilly: Sieg über Christian IV. bei Lutter am Barenberge (27.08.1626);
-
Friede zu Lübeck (22.05.1629): Wallenstein mit Christian IV., da
Norddeutschland u. Jütland besetzt;
siegreiche Kaiser erließ Restitutionsedikt (06.03.1629) (Rückgabe
aller nach 1552 verliehener säkularisierter Kirchengüter an Kirche);
Schwedischer Krieg
1630-35:
Krieg um Glauben und Macht;
Gustav II. Adolf von Schweden Landung auf Usedom (04.07.1630), da Kaiser
an Küste sehr stark geworden;
G. A. Angst vor Gegenreformation, schwedische Ostseeherrschaft bedroht;
Schweden finanziert von Frankreich;
G. A. schlug Tilly bei Breitenfeld (bei Leipzig) 17.09.1631;
1632: G. A. stieß nach Süden vor, Schlacht bei Rain am Lech: Tilly's
Armee vernichtet, Tilly tot;
Wallenstein: 2. Generalat (unumschränkte Macht), Schlacht bei Lützen
(16.11.1632) unentschieden, G. A. fällt;
W. eigenmächtige Verträge mit Schweden --> Ermordung W.'s in Eger
(25.02.1634);
Friede von Prag (30.05.1635) zw. Kaiser u. Kurfürst Johann Georg I. von
Sachsen;
--> Beitretung fast aller Reichsstände;
Verzichtung der Reichsstände auf ihr Bewaffnungs- u. Bündnisrecht;
kein Frieden --> Ausweitung des Krieges;
Reichskonsens zerfiel schnell;
Französischer Krieg
1635-48:
Krieg um Macht;
Frankreich will Macht Habsburg's einschränken;
F. kath. kämpft auf schwed. protest. Seite;
F. greift in Krieg ein, da Habsburg sehr stark (19.05.1635 Kriegserklärung
an Spanien, 18.09.1635 an Kaiser);
Schlacht bei Wittstock (04.10.1636) Banér (schwed.) schlägt
Kaiserliche;
Bernhard von Sachsen-Weimar (03.03.1638) bei Reinfelden;
Banér's Nachfolger Torstenson siegte bei Breitenfeld (02.11.1642) und
auf Marsch nach Wien bei Jankau (06.03.1645);
Franzosen geschlagen bei Tuttlingen (24.11.1643) durch bayerische Generäle;
letzten beiden Kriegsjahre Schauplatz: Schweinfurt-Donauwörth;
seit 1644/45 angefangene Verhandlungen zw. Kaiser u.
Frankreich/Schweden, Beendigung d. Krieges: Westfälischer Frieden;
Folgen:
D. K.'s Auswirkung: politisch, wirtschaftlich u. kulturell aufs Heil. Röm.
Reich dt. Nation;
Bevölkerungsverluste: 40% auf Land, 33% in Stadt;
betroffenste Gebiete: Pommern, Mecklenburg, nördl. Brandenburg,
Schlesien, Mittel- u. Süddeutschland (nur 33% überlebten);
--> soziale Umschichtung und starke Veränderungen in
Wirtschaftsstruktur (weniger landwirtschaftliche Anbauflächen,
geringerer Viehbestand, Rückgang von Handel und Gewerbe,
Besitzumschichtungen);
Entwicklungen abgeschlossen, deren Beginn weit vor 1618 ;
trotz Auflösungserscheinungen, gewisse politische Bedeutung als
Reichsverband;
konfessioneller Gegensatz bestätigt und Kalvinismus im Westf. Fr.
staatsrechtlich fixiert;
Macht Habsburg's beschränkt auf: böhm., ungar. u. österr.
Staatslande, außer Kaisertum;
richtete politisches Interesse nach Südosten;
D. K. beendet Zeitalter der Religionskriege;
trug zur Entkonfessionalisierung der Politik bei;
Westfälischer Frieden
24.10.1648:
Resultat der vierjährige Verhandlungen zw. Frkr u. Verbündeten in Münster,
sowie Schweden u. Verbündeten in Osnabrück --> zur Beendigung des
D. K.;
bis 1806 Reichsgrundgesetz;
Territoriale
Veränderungen:
Frankreich bekam: Metz, Toul, Verdun, Ober- u. Unterelsass, Sundgau,
Landvogtei über 10 elsässische Reichsstädte, Breisach, Pinerolo und
Besatzungsrecht auf Philippsburg;
Schweden bekam: Vorpommern mit Odermündung bis Stettin, Inseln Rügen,
Usedom u. Wollin, Wismar, Erzbistum Bremen u. Bistum Verdun als
Reichslehen;
Brandenburg bekam: Hinterpommern, Cammin, Bistümer Halberstadt u.
Minden, Grafschaft Hohenstein u. Anwartschaft auf Erzbistum Magdeburg;
Vereinigten Niederlande u. Schweiz erhielten volle Souveränität;
Metz, Toul u. Verdun Ausscheidung aus Reichsverband;
Konfessionelle
Regelung:
Augsburger Religionsfriede (1555) erneut anerkannt;
auf Kalvinisten ausgedehnt;
Grundsatz cuius regio, eius religio beibehalten jedoch auf 1624 als
Normaljahr für Besitzstand geistlicher Güter u. die Konfessionszugehörigkeit
festgesetzt;
Reichsverfassung:
Reichsstädte erhielten volle Landeshoheit und Recht, Bündnisse
untereinander und mit auswärtigen Mächten zu schließen;
Bündnisse durften nicht gegen Kaiser u. Reich sein;
Außenpolitik des Reichsoberhaupts an Zustimmung des Reichstags
gebunden;
für Pfalz neue (8.) Kur geschaffen;
Bayern behielt 1623 gewonnene pfälz. Kurwürde;
Ergebnisse
des Dreißigjährigen Krieges:
| Name |
Kriegsziele |
Ergebnisse |
| Kaiser |
Stärkung
der Zentralgewalt |
Schwächung
der Zentralgewalt |
| Fürsten |
Schwächung
der Zentralgewalt |
Stärkung
ihrer Macht, Reich hörte auf zu existieren |
| Haus
Habsburg |
Erhalt
der europ. Vormachtstellung |
Schwächung
ihrer Macht |
| Schweden |
Ausbau
der Stellung im Ostseeraum |
erreicht |
| Union |
Schwächung
der Liga |
gestärkt |
| Liga |
Schwächung
der Union |
geschwächt |
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